Grenzen? Weg damit!

Grenzen und Grenzkontrollen waren in meiner Kindheit und frühen Jugend normal. Wenn man in einem so kleinen Land wie Luxemburg aufwächst, sind Grenzen (und damals auch noch mehrere Geldbeutel mit unterschiedlichen Währungen) allgegenwärtig. Wollte man kurz nach Arlon ins Cora oder nach Trier in die Blaue Hand, musste immer der Pass mit – und wurde durchaus auch mal kontrolliert. Das ist glücklicherweise lange her!

Umso erschreckender und beklemmender waren die neuen Corona-Grenzen. Am 15. März bin ich nach einer Familienfeier aus Luxemburg zurück nach Deutschland gefahren – noch ohne Grenz-, dafür aber mit Corona-Kontrollen auf der ersten deutschen Raststätte (damals hatte Trier gerade den ersten Corona-Fall entdeckt – bei einem „Grenzgänger“, der in Deutschland lebt und in Luxemburg arbeitet). Der Kauz und ich wurden durchgewunken. Danach war nichts mehr, wie wir es seit Jahren kannten. Alles dicht.

Meine Familie und Freunde wurden quasi in ihrem kleinen Land festgesetzt. Durchlass nur noch mit „Passierschein“ (schlimmes, aber geläufiges Wort) oder mit sehr guter, i.d.R. ärztlicher Begründung. Einige konnten nicht einmal mehr ihre vorbestellte Ware oder Autos aus der Werkstatt abholen. Das ist sicher nicht systemrelevant, aber doch ein krasser Einschnitt in die persönliche Freiheit. Und die spürt man halt umso deutlicher, je kleiner das Land ist, wenn alle Nachbarstaaten ihre Grenzen schließen…

Seit dem 15. März bin ich – wie die meisten von uns – brav daheim geblieben. Zunächst in zweiwöchiger, freiwilliger Quarantäne, danach weil es a) gute Corona-Gründe und b) eben auch zwischenstaatliche Themen gab.

Bei den ersten Nachrichten zur Grenzöffnung habe ich mal kurz ein paar Tränen vergossen – unfassbar, dass ich meine Leute wiedersehen darf, ohne mich danach wieder für zwei Wochen isolieren zu müssen… Und vor allem dürfen sie sich jetzt endlich wieder so bewegen, wie es die EU und das Schengener Abkommen propagieren, nämlich frei. Der Moment, als ich an Pfingsten über die Grenze gefahren bin, war demnach auch (erstaunlich?) emotional…

Positive Vibes: good to see you again!

Früher bin ich oft auch mal 1-2 Monate nicht zu meinen Eltern gefahren, habe Freunde länger nicht gesehen oder gesprochen. Aber in Corona-Zeiten fühlt sich das alles ganz anders an… Dieses „ich darf euch nicht sehen“ ist viel schlimmer als ein – zugegebenermaßen blödes – „schon wieder keine Zeit, sorry“. Es kommt einem unendlich lang vor – und manchmal auch unendlich ungerecht, schrecklich, einsam…

Man realisiert aber auch sehr schnell, was wirklich wichtig ist, bzw. welche Menschen man nicht missen möchte. Entsprechend glücklich komme ich nach einem langen Pfingstwochenende wieder nach Hause. Familie, Freunde und Freude getankt 😊

Klar, es ist nicht das Gleiche wir vor Corona. Die Umarmungen fehlen; es ist seltsam, sich im Garten mehr oder weniger anzubrüllen, damit man sich auf Distanz auch wirklich hört; es ist befremdlich, beim gemeinsamen Essen drauf zu achten, wie man Schüsseln anfasst. Und vor allem braucht es seine Zeit, bis alle Parteien für sich herausfinden, was für sie ok ist und was nicht – ein Umeinander-Rum-Getanze erster Güte.

Und dann findet man doch wieder sein „new Normal“; man isst zusammen, lacht zusammen und stellt die neuesten Scrabble Rekorde auf. Man geht spazieren, wandern, unterhält sich über Gott und die Welt… Eigentlich wäre alles wie immer, wenn die Masken, Vorsichtsmaßnahmen und v.a. die Angst, als „junger“ Mensch die „gefährdeten“ Personen zu schädigen nicht wären.

Nichtsdestotrotz: Es hat so gut getan, euch alle – Freunde und Familie, jung und alt – zu sehen und mit euch Zeit zu verbringen. Wir sehen uns sehr bald wieder!

Raus aus der Kurzarbeit – rein ins normale Leben?

Yeah, ich darf wieder voll arbeiten 😊

Das Arbeitstier in mir freut sich unbändig und legt gleich los. Der Mensch, der eigentlich sein bzw. ihr Leben verändern wollte fragt sich: „Und was hat sich jetzt wirklich verändert?“ Das Arbeitstier antwortet sehr entschieden: „Du hattest deine Pause, jetzt kannst du endlich wieder das machen, was dir ja eigentlich am besten gefällt!“

Und recht hat es, das Arbeitstier: Erst nachdem am Montag die Kurzarbeit beendet wurde, habe ich mich wieder frei gefühlt. Es war erstaunlich belastend, weniger Stunden zur Verfügung zu haben und trotzdem irgendwie immer präsent sein und den Job zu Ende bringen zu müssen. Jetzt bin ich einfach wieder ich – und da.

Und trotzdem hat die kurze Kurzarbeitsphase was bewirkt: Ich gehe jetzt viel freier mit meiner Zeit um und genehmige mir weiterhin die ausgedehnte Mittagspause, die private Abwesenheit zum Einkaufen oder auch mal den frühen Feierabend. Dafür wird dann an machen Tagen etwas länger „rangeklotzt“.

Wir sind alle flexibler geworden. Und ich habe KollegInnen und KundInnen ganz anders kennengelernt. Das wird uns allen für die post-Corona-Zeit (hoffentlich) erhalten bleiben: diese Flexibilität im Umgang mit Privatem und Beruflichem, das Verständnis für die Bedürfnisse anderer. Dann hätte es sich auf jeden Fall gelohnt!

Positive Vibes: unbekannte Talente

Ok, ich brauche noch immer für alles viel länger als gewünscht. Aber hey, ich habe ja auch die Zeit dazu. Also habe ich mich in die kulinarischen Gefilde aufgemacht und neues Terrain erkundet. Erstaunlicherweise sind alle Fingernägel, Fingerkuppen und sonstige Extremitäten noch dran 😉

Aber ganz im Ernst: Ich war noch nie eine Meisterköchin und werde es auch nie sein. Obwohl meine Mutter jahrelang Kochkurse gehalten und vielen Menschen gezeigt hat, wie man richtig lecker bio-vollwert und so kocht. War und ist auch heute bei ihr immer besonders lecker, aber damals war ich wohl noch zu jung, um das wirklich wertzuschätzen… und heute mache ich halt meine eigenen Erfahrungen.

Und siehe da, es macht Spaß und schmeckt auch noch richtig lecker. Seit einigen Wochen schicke ich immer häufiger Food-Porn-Bilder an Freunde – nur nicht aus dem Sterne-Restaurant, sondern aus meiner eigenen Küche. Dazu inspiriert hat mich u.a. meine Kollegin Ulrike von My (not so) glamorous kitchen. Wenn ihr also was richtig Leckeres wollt, schaut lieber bei ihr vorbei 😉

Mein Fazit? Noch zu früh dafür. Ich bin grad stolz drauf, mal ein paar Gerichte gut hinbekommen zu haben. Der Rest wird sich zeigen. Guten Appetit, ihr Lieben!

Positive Vibes: #bestemployer

Kurzarbeit ist doof. Zumindest für Menschen, die auf das Gehalt angewiesen sind und/oder für Arbeitstiere wie mich. Umso wichtiger ist der Umgang der Unternehmen damit – und die Kommunikation mit ihren Mitarbeitern. Diese fällt selbstverständlich je nach Unternehmensgröße sehr unterschiedlich aus. Aber auch bei kleineren Betrieben sind die Unterschiede deutlich spürbar.

Und das ist mein ganz persönlicher positiver Corona-Moment mit meiner Firma: Wir sind rund 40 Angestellte und davon wurde ein Teil in Kurzarbeit geschickt, meine Teams inklusive. So doof, so gut. Aber als super positiv habe ich den Umgang unserer Geschäftsführung mit der Situation erlebt. Wir wurden alle zeitgleich, transparent und persönlich über das Wieso-Weshalb-Warum informiert. Man hat sich sehr viel Zeit für unsere Rückfragen genommen, inklusive Follow-up Calls und einer neuen wöchentlichen Corona/Kurzarbeit-Sprechstunde.

Ich bin über das Ergebnis (also die Kurzarbeit) nicht glücklich, dafür aber umso mehr über den persönlichen Umgang mit uns. Und am Ende wollen wir ja alle das Gleiche: Arbeitsplätze erhalten und nach der Krise weiterbestehen.

In diesem Sinne: go, CommHa 🙂

Hang on in there, Erich!

Erich begleitet mich durch mein ganzes Berufsleben. Er kam mit einer Sammelbestellung zu mir, als ich kurz vorm wenig bekannten Boreout war: Mein erster Job bestand eigentlich nur darin, auf den Anruf meines einzigen Kunden zu warten. Wenn der nicht kam, spielte ich mit meiner Kollegin „A4 – negativ; A5 – Treffer; A6 – versenkt“ oder Bullshitbingo à la „Ich habe ihn leider noch nicht erreicht“ oder „Aber eigentlich müsste das doch funktionieren“. Der Rest ist Geschichte…

Ich wechselte zu meinem jetzigen Arbeitgeber und nahm nichts mit außer ein paar Kontakten, ein bisschen Wissen – und Erich. Der hing dann einige Jahre in meinem Büro (für Insider: das erst rechts in der P6-8). Da fristete er ein gutes Dasein und schien recht zufrieden. Der Ausblick auf die privaten Balkone war ja teilweise auch Bombe 😉

Und dann der Supergau: Wir legten unsere Büros zusammen, hatten plötzlich Clean Desk Policy und private Sperenzchen waren nicht mehr drin… Also zogen meine Büropflanzen, Erich und ich in mein bescheidenes Heim in Karlsruhe – in dem leider kein Platz für meinen Freund Erich war. Der arme Kerl lag also mitsamt Strick ein paar Monate bewegungslos in der Schublade und hing seinen Fantasien nach…

Nach dem Umzug nach Mannheim wurde es wieder besser: In meinem Arbeitszimmer hat er endlich wieder ein eigenes Fenster und kann sich jeden Tag überlegen, wann und wie er rausspringen will. Aber er tut es nicht. Offensichtlich reichen ihm meine täglichen Ausbrüche und Verwünschungen, um zufrieden zu sein.

Hang on in there, dude!

PS: Erich hat seinen Namen übrigens aus meinem Lieblings-Comic von Josha Sauer und seiner Nichtlustig-Bande, DANKE dafür: http://static.nichtlustig.de/toondb/050316.html

Positive Vibes: #bestclient

Vorm Osterwochenende und zum Ende einer kurzen, aber sehr intensiven Woche noch ein paar positive Arbeitsgedanken:

Einer meiner Kunden wurde völlig unerwartet in „Zwangsurlaub“ mit anschließender Kurzarbeit geschickt. Letzter Anruf einer meiner liebsten Ansprechpartner: „Habt ihr genug Jobs, um euch über Wasser zu halten? Will unbedingt auch nach Corona noch mit euch arbeiten….“ Für mich als Dienstleister die Hammer-Aussage schlechthin!

Offensichtlich haben wir in den letzten Jahren nicht alles falsch gemacht 😉

Also DANKE (du weißt, wer du bist) für deine unendliche Loyalität! Das tut unglaublich gut und lässt mich positiv in die (berufliche) Zukunft blicken 🙂

Hinterhofromantik

Vorhin habe ich mich gemütlich auf meinem Südbalkon eingerichtet, um den Sonnenuntergang zu genießen und ein bisschen Luft zu tanken. Es wurde deutlich spannender – und viel besser als gedacht. Das Entertainment, das einem da manchmal geboten wird…

Ok, zunächst ging es etwas krasser los: Die bipolare Nachbarin* von gegenüber, die im Frühling mit zuverlässiger Regelmäßigkeit ihre Medikamente vom Balkon wirft und alle Ärzte namentlich verflucht, war wieder am Start. Diesmal mit Blumentöpfen. Sie rief „Achtuuuung“ und warf sie aus dem 2. OG in den Innenhof. Offensichtlich sind ihre unmittelbaren Mitbewohner abgehärtet, denn es geschah: nichts. Außer dass einer ihrer Nachbarn – in ebenfalls zuverlässiger Regelmäßigkeit – seine Musikanlage auf volle Pulle drehte, um ihre lauten Reden von der Kanzel zu übertönen und der gesamten Nachbarschaft sehr schöne Gitarrenriffs zum Besten zu geben.

Als er die Anlage ausmachte, setzte – leider mit nicht so zuverlässiger Regelmäßigkeit – eine Nachbarin etwas weiter entfernt ein und sang Halleluja, live und wunderschön. Hätte sie gerne noch ne halbe Stunde länger machen können.

Ich saß auf jeden Fall gebannt mit meinem ersten Jungbusch Ale aus der Flasche seit sehr langer Zeit (Achtung Werbung: meine liebste und die einzig wahre Mannheimer Craft Beer Bar Taproom Jungbusch hat seit heute Straßenverkauf und Lieferdienst) friedlich auf meinem geliebten Balkon und hörte dem bunten Treiben zu. Und das war erst der Auftakt, weitere Stories folgen bestimmt…

*Natürlich hat man in der Nachbarschaft schon versucht, der Dame zu helfen. Nur leider ist es so, dass es a) nach Aussage von Polizei und Sozialdienst mehrere Anzeigen (also tatsächliche persönliche Belästigung/Bedrohung) braucht, damit jemand nach ihr schaut und b) sie sich dann auch noch helfen lassen möchte, was wohl nachgewiesenermaßen im Frühling am schwierigsten ist…

Positive Vibes: My home is my castle

Es ist Wochenende. Und ich habe die beste Wohnung, die ich mir nur wünschen könnte 🙂

Ich verfüge nicht nur über einen knapp 10 Meter langen Flur, durch den ich unzählige Male am Tag laufe und so meine imaginären Schritte in der nicht vorhandenen Schrittzähler-App schaffe. Ich habe auch noch einen Süd- und einen Nord-Flügel, jeweils mit einem Balkon. Lucky me!

Ich darf mich noch immer täglich zwischen zwei, oder eher drei Welten bewegen, ohne das Haus verlassen zu müssen. Der Süd-Balkon geht auf den Hinterhof, wenn ich Ruhe brauche, meiner Nachbarin im kleinen Innenhof-Garten beim Bogenschießen zuschauen oder Wäsche in der Sonne trocknen möchte.

Der Nord-Balkon geht auf eine recht stark befahrene Straße in meinem Wohnviertel, sodass ich trotz „Isolation“ irgendwie das Gefühl habe, am letzen Rest normalen Lebens teilzunehmen.

Und drinnen herrscht meine ganz eigene Welt. Mein Vater sagt die Tage immer wieder, wie glücklich er in seinem freistehenden Haus mit vier verschiedenen Aussichten ist. Als Stadtmensch bin ich über meine zwei Aussichten mehr als glücklich und will auch gerade nicht mehr weg.

Mein Fazit dieses Wochenendes: erste Sonnenallergie gefolgt von erstem kleinen Sonnenbrand, wunderbar riechende Wäsche, viel frische Luft… Und das Wissen, dass viele von uns, was die räumliche Isolation angeht, oft auf einem sehr hohen Niveau jammern.

Fitness in Corona-Zeiten

Fitness war noch nie mein Ding. Ich bewundere Menschen, die einen fixen Trainingsplan einhalten und sogar schon am ersten Tag des Shutdowns ihre virutellen Trainingsgruppen gefunden haben.

Also dachte ich vor ein paar Tagen „Hey, du machst außer ab und an spazieren zu gehen nichts an Sport, dann kannst du doch zumindest mal daheim was tun“. Gesagt, getan: Ich stieg auf den Badewannenrand, um den Duschvorhang zum Waschen abzuhängen. Ihr könnt euch in etwa vorstellen, was folgte?

Ja, es war schmerzhaft, ein riesieger Bluterguss hinterm linken Knie und unzählige blaue Flecken. Eine kleine Beuel am Schädel, wo ich den Heizkörper herausgefordert habe. Das war’s. Bin aufgestanden, habe Krone gerichtet 😉

Hat jemand bessere Ideen für tollpatschige Nicht-Sportler wie mich?

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